Erfahrungsbericht ·

Mama wollte ein Abo kündigen. Simplyright schickte eine Rechnung über 399 Euro

Ich hätte nie gedacht, dass ich mal einen Blog aufmache. Aber das hier muss raus, damit es anderen nicht genauso geht.

Eine ältere Frau auf dem Sofa hält ihre Hände vor das Gesicht und eine Brille in der Hand

Meine Mutter ist keine, die sich schnell aufregt. Sie hatte ein Abo, das sie loswerden wollte, und keine Lust, sich durch irgendwelche Kundenportale zu klicken. Also hat sie im Internet nach Hilfe gesucht und ist bei Simplyright gelandet. Die Seite verspricht, dass man Kündigungen schnell und unkompliziert erledigt bekommt. Klang für sie nach genau dem Richtigen. Sie hat ihren Fall online geschildert und auf Absenden gedrückt.

Kurz darauf klingelte das Telefon.

Ein Anruf, der irgendwie schief anfing

Schon nach den ersten Sätzen hatte meine Mutter ein komisches Gefühl. Der Mann am Telefon redete nicht über ihre Kündigung, sondern übers Geld. Ihr Fall sei "schwieriger als gedacht", das werde sich "im Preis niederschlagen", und man müsse sie ja "für die Zukunft absichern". Da hat sie, ganz geistesgegenwärtig, auf ihrem Handy die Aufnahme gestartet. Deshalb beginnt der Mitschnitt auch so plötzlich mitten im Gespräch.

Hört es euch selbst an. Es sind ein paar Minuten, aber sie lohnen sich.

Beweis 1

Der Mitschnitt des Telefonats

Wir haben die Stimmen mit KI verfremdet, damit die Beteiligten nicht an ihrer Stimme erkannt werden können.

Was da eigentlich gesagt wurde

Statt einer einfachen Kündigung bekam sie ein Abo angeboten. Die mittlere Variante für 34,99 Euro im Monat, die Premium Variante für 49,99 Euro. Natürlich wurde ihr Premium empfohlen. Dass diese Abos laut Website zwei Jahre Mindestlaufzeit haben, hat der Mann am Telefon einfach unter den Tisch fallen lassen. Meine Mutter hatte das vorher gelesen und hat ihn darauf angesprochen.

Dann wurde es unangenehm. Ich zitiere ihn wörtlich:

"Nicht, dass Ihr Name irgendwann nochmal auf so einer Liste landet und Sie dann Hilfe benötigen. Dann wird es für Sie wesentlich teurer."

Und kurz danach: "Ich trage Sie sonst erstmal ein und wenn Sie unzufrieden sind, können Sie nach der Mindestlaufzeit wieder raus." Einfach so. Ohne Zustimmung.

Auch interessant: Auf der eigenen Website schreibt Simplyright, dass sie gar keine Rechtsberatung anbieten. Am Telefon klang das ganz anders. Das müsse man nur "aus gesetzlichen Gründen" draufschreiben, man könne den Service "ja trotzdem anbieten und abrechnen".

Sie hat Nein gesagt. Mehrmals.

Das ist mir wichtig, weil es der Kern der ganzen Sache ist. Meine Mutter hat sehr deutlich gemacht, was sie will:

"An Ihrem Abo habe ich kein Interesse."
"Ich will nirgendwo eingetragen werden und ich will auch keinen Vertrag bei Ihnen. Ich ziehe meinen Hilfegesuch hiermit zurück."
"Ich habe eine unverbindliche Anfrage geschickt und ich nehme das Angebot jetzt nicht an. So einfach ist das."

Als Antwort kam der Satz, dass ihr "Initialauftrag" ohne Abo mit 399 Euro "zu Buche schlagen" würde. Meine Mutter hat aufgelegt mit der Hoffnung, nie wieder von denen zu hören. Die letzten Worte vom anderen Ende: "Ja, das werden wir sehen."

Tja. Sie haben recht behalten.

Dann kam die Rechnung

Ein paar Tage später lag eine "Kostenrechnung" im Briefkasten. 335,29 Euro Pauschalhonorar plus Umsatzsteuer, macht 399,00 Euro. Aufgelistet sind elf Leistungen, von rechtlicher Prüfung über Aktenerstellung bis zu WhatsApp Support und Kontoauszugsanalyse. Nichts davon ist passiert. Es gab genau ein Telefonat, in dem man ihr etwas verkaufen wollte. Und die Kündigung, um die es eigentlich ging? Die hat meine Mutter am Ende selbst gemacht.

Beweis 2

Rechnung von Simplyright über 399 Euro mit elf aufgelisteten Leistungen
Die Rechnung. Persönliche Daten meiner Mutter habe ich geschwärzt.

Warum ich das hier aufschreibe

Meine Mutter hat das Glück, dass sie eine Tochter hat, die sich jetzt darum kümmert. Viele haben das nicht. Viele zahlen so eine Rechnung, weil sie offiziell aussieht, weil Paragrafen draufstehen und weil man Angst vor Ärger hat. Genau darauf setzt so ein Geschäftsmodell.

Deshalb ein paar Dinge, die ich inzwischen gelernt habe:

  • Eine Kündigung könnt ihr fast immer selbst schreiben. Seit 2022 muss es bei Online Verträgen sogar einen Kündigungsbutton geben.
  • Wenn euch am Telefon etwas komisch vorkommt, schreibt mit oder nehmt das Gespräch auf, sofern es rechtlich erlaubt ist.
  • Zahlt keine Rechnung für Leistungen, die nie erbracht wurden. Widersprecht schriftlich und am besten per Einschreiben.
  • Die Verbraucherzentrale hilft bei sowas weiter. Dort sind wir inzwischen auch.

Wenn euch etwas Ähnliches mit Simplyright passiert ist, schreibt mir gern an sabrina.berger.nd@gmx.de. Je mehr Fälle zusammenkommen, desto schwerer lässt sich das abtun.

Sabrina